1) Vorbereitungen und Material:
Es gibt zwei Möglichkeiten die Pfeile zu bearbeiten. Einmal kann man sie im Ganzen traditionell herstellen und verzichtet völlig auf technische Hilfsmittel, was allerdings mit dem einen oder anderen Problem verbunden ist. Die zweite Möglichkeit ist das Herstellen eines Pfeils mit modernen Hilfsmitteln, die aber am Endprodukt kaum zu erkennen sind.
Material:
Vorbereitungen:
Die Materialien, die nicht jeder zu Hause hat müssen beschafft werden. Dazu sucht man am Besten einen Bogenshop oder Waffenladen auf, der Pfeilbestandteile vertreibt. Hier bietet sich der Bogenhandel Hermannski in der Nähe von Alzey an, der auch über eine Internetseite verfügt und eine Onlinebestellung bequem möglich ist. Dort besorgt man dann die Federn, Spitzen und ggf. die Pfeilschäfte aus Nadelholz. Will man authentischer sein, kann man auch Gänsefedern nehmen, die allerdings vom Schützen selbst vorzubereiten sind, was nicht immer einfach ist.
Hat man alle Materialien zusammen kann es los gehen und mit dem ersten Schritt der Herstellung begonnen werden.
Tipp: Anfänger sollten ihre ersten Pfeile mit Buchenschäften herstellen, da das Holz wiederstandsfähiger ist als das von Nadelhölzern. Man kann mit Buche auch mal auf Steine oder hartes Holz schießen, ohne dass gleich die Spitze wegfliegt oder der Pfeil splittert. |
2) Arbeitsschritte für den Pfeilbau:
a) Schritt I:
Wie bei allen Dingen, die man ausführt, ist es auch im Pfeilbau nur eine Sache der Übung wie das Endprodukt am Schluss aussieht: „Übung macht den Meister!“
Pfeilschaft:
Die Schäfte werden nun vorbereitet indem man sie auf die gewünschte Länge kürzt. Dazu nimmt man das Maß zwischen dem ausgestreckten linken/rechten Arm und dem angewinkelten rechten/linken Arm, der an die rechte/linke Wange gehalten wird. Dieser Abstand ist nachher die Länge, auf die der Bogen vom Schützen gespannt werden kann. Man gibt zu diesem Maß noch ca. 5cm zu. Hat man seine persönliche „Spannweite“ ermittelt, werden die Pfeile mit einer Säge oder Schere gekürzt ( eine Gartenschere hat sich als nützlich erwiesen ).
Nachdem man die Schäfte auf eine einheitliche Länge gebracht hat, nimmt man einen 3mm Bohrer und spannt diesen in die Tischbohrmaschine oder Bohrmaschine mit Tischständer ein. Danach werden die Schäfte einheitlich markiert. Die Markierung sollte ca. 0,5 – 1cm von der Oberkante des Schaftes entfernt liegen. Diese Strecke entscheidet dann über die Länge der Kerbe ( Nock – genannt ), die am Pfeilanfang entstehen soll.
Tipp: Je länger die Kerbe, desto anfälliger werden die beiden Flügel des Nocks. Man sollte also eine relativ kurze Variante wählen, um dem Ausreißen der Seitenflügel vorzubeugen. |
Hat man die Schäfte markiert wird an den markierten Stellen ein 3mm großes Loch eingebohrt. Da das Holz rund ist, kommt es öfter vor, dass die Markierung nicht genau gerade auf der Rundung des Schaftes liegt. Dabei muss der Schaft dann etwas in die richtige Richtung gedreht werden, damit das Loch bzw. die Bohrung gerade wird.
Ist der Schaft durchgebohrt worden, dreht man ihn um und wiederholt die Bohrung von der anderen Seite noch mal. Dieser Schritt wird dann mit allen anderen Schäften wiederholt.
Entweder sägt man die Schäfte im Anschluss an das Bohren mit einer Bandsäge oder man spannt eine Stichsäge in einen Schraubstock und dreht zur besseren Auflage das Sägeblatt um 180 grad herum. So kann man die Auflageplatte der Säge nutzten, um den Schaft darüber führen zu können.
Der Schaft muss mittig angesetzt werden und es wird dann bis zur Bohrung durchgesägt, wobei man darauf achten muss, dass die Rundung der Bohrung nicht angesägt wird, da hier später die Sehne des Bogens sitzen soll.
Tipp: Soviel wie möglich aussägen damit man später nicht zuviel zum Feilen hat. Acht geben, dass beide Flügel des Nocks gleichmäßig sind denn zu dünne Flügel brechen bei kleinstem Fingerdruck ab. |
b) Schritt II:
Schaftenden:
Die Schäfte müssen nun vom groben in eine feinen Zustand gebracht werden. Die Bohrungen und die Einschnitte im Holz müssen nun mit Feilen geglättet werden.
Man beginnt mit Flachfeilen, die in die Einschnitte hineinpassen und feilt die Flügel so ab, dass die Sehne des Bogens leichtgängig aufgenommen werden kann( auch ausprobieren ). Hat man die Flügel bearbeitet, feilt man auf den Oberseiten die Rundung ab, damit die Flügel relativ spitz zulaufen. Die entstandenen Spitzen werden rund gefeilt und im Anschluss die Bohrung mit einer Rundfeile nachgeschliffen. Zum Abschluss wird das komplette Schaftende nochmals mit feinem Schleifpapier nachgeschliffen und alle Unebenheiten und abstehenden Holzsplitter beseitigt.
Pfeilspitze:
Hat man die Schaftenden fertig bearbeitet widmet man sich den Spitzen zu. Diese werden entweder mit einem Spitzer für Stifte oder mit einer Schleifmaschine angespitzt.
Tipp: Die Buchenschäfte aus dem Baumarkt sind so dünn, dass sie mit dem Spitzer für normale Stifte angespitzt werden können. Die Nadelholzschäfte allerdings passen nicht hinein und so ist es erforderlich, dass man einen Spitzer hat, der auch für dicke Holzstifte geeignet ist. Dabei ist darauf zu achten, dass man die Schäfte nicht ungleichmäßig anspitzt, weil sonst die Eisenspitze schief aufgesetzt wird. Dies hat Folgen für die Flugeigenschaften. |
Hat man die Schäfte gespitzt, wird eine Pfeilspitze zur Probe aufgesetzt ( man kann hier zwischen Hohlspitzen und Hohlspitzen mit eingedrehtem Gewinde auswählen ). Die Stellen, wo das Eisen ins Holz einscheidet, müssen nach dem Probeaufsatz dann nochmals abgeschliffen werden. Dabei darauf achten, dass die Spitze gerade und stimmig auf dem Schaft aufsitzt. Zum Schleifen der Spitzen verwendet man am besten feines Schleifpapier ( 120er Körnung ) oder eine Flachfeile.
Nachdem die Schleifarbeiten am Schaft abgeschlossen sind, kann man die Schäfte noch bemalen bzw. eine Birkenpechschicht andeuten, die damals als Klebstoff für die Federn gedient hat.
Schäfte und Schaftenden nach dem Feilen und Anmalen: Quelle Karlssippe – Foto Thorfinn
c) Schritt III:
Befiederung:
Ist der Schaft im Ganzen fertig bearbeitet, müssen die Federn vorbereitet und verklebt werden.
Dazu werden die halbierten Truthahnfedern genommen und mit Hilfe einer Federschablone in die richtige Form gebracht ( Schablonen findet ihr im Anhang zum Ausdrucken ). Hierzu wir ein Stück fester Karton benötigt, auf den dann die Schablonenform aufgemalt wird. Die Form mit der Schere oder dem Skalpell ausschneiden.
Man kann die Form nun auf den halbierten Federkiel der Truthahnfeder aufsetzen und diese dann zu aller erst in der richtigen Federlänge abschneiden.
Tipp: Da die Federn relativ teuer sind sollte für die ersten Versuche eine Schablone benutzt werden, mit der man aus jedem Rohfederstück, zwei Pfeilfedern herausbekommt.
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Man schneidet so viele Federn mit der Schablone zurecht wie benötigt werden. Für jeden Pfeil braucht man drei Federn, wobei ale drei rechtsgedreht sein sollten, um ein optimales Flugverhalten und eine gute Stabilität zu erreichen. Anfänger sollten auf jeden Fall immer eine Feder in einer anderen Farbe zurechtschneiden, die dann später die „Leitfeder“ am Pfeil darstellt.
Sind die Federn in Form geschnitten, wird der vordere Teil ( etwa 2-5mm ) von Federteilen befreit. Am hinteren Teil wird der selbe Schritt durchgeführt. Dies ist wichtig, um später die Wicklung besser anbringen zu können.
Hat man die beiden Enden von den Federresten befreit, werden Unebenheiten, die beim Schneiden mit der Schablone entstanden sind, im Nachschneiden behoben.
Alle Federn werden nun zu Dreierpaaren zusammengestellt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Federn in etwa gleich lang und gleich geschnitten sind. Man benötigt eine Leitfeder ( andersfarbig ) und zwei Seitenfedern.
Die Leitfeder wird zuerst benötigt und wird entland eines Flügel an der Kerbe aufgeklebt. Der Abstand zwischen dem drei Millimeterloch und dem hinteren Teil der Feder sollte mindestens zwei Zentimeter betragen, um noch Platz für die Finger beim Schießen zu haben.
Der halbierte Federkiel, der relativ gerade abgeschnitten ist, wird nun leicht mit Klebstoff oder Leim bestrichen und die Feder vorne und hinten auf den Schaft aufgesetzt. Durch die Rechtskrümmung ist es nicht möglich die ganze Feder aufzudrücken.
Nach dem Aufsetzten muss man einige Minuten warten, bis der Kleber etwas angetrocknet ist, denn dann ist es möglich die Feder in Form zu drücken und der Kleber hält dann auch gleich die Feder fest. Parallel werden die beiden anderen Federn auch mit Kleber bestrichen.
Wichtig: Es ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass die Leitfeder parallel zu einem der beiden Flügel des Nocks verläuft. Die Leitfeder ist die Feder, die beim Abschuss des Pfeils zur Bogen abgewandten Seite zeigen muss. Die Seitenfedern gleiten direkt am Bogen vorbei. Dreht man den Pfeil so, dass die Leitfeder am Bogen entlang gleitet, kann es sein, dass Federteile in die Hand hineingeschossen werden, oder dass der Pfeil durch die Reibung am Bogen an Stabilität und Richtung verliert.
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Ist die Leitfeder auf dem Schaft aufgeklebt, werden die beiden Seitenfedern nacheinander aufgeklebt. Auch die Seitenfederkiele werden mit Klebstoff bestrichen und die Enden auf den Schaft aufgesetzt. Diese Federn müssen ungefähr im 45 Grad Winkel zu der Leitfeder liegen, da sie so optimal am Bogenholz entlang und vorbei gleiten können. Ist der Klebstoff leicht angetrocknet werden auch die Seitenfedern in Form gedrückt.
Tipp: Die Federn halten nicht beim ersten Mal die Form, wie sie es sollten. Deshalb ist es erforderlich den Vorgang öfters zu wiederholen. Allerdings sollten die Federn noch eine leichte Biegung aufweisen, um die Flugstabilität zu behalten. |
Sind alle Federn an den Schaft angebracht und der Klebstoff trocken, kann man die Federn noch gleichmäßig zurechtschneiden. Dazu werden die Kielenden jeweils gleichmäßig abgeschnitten. Jeder Kiel sollte jetzt gleich lang sein. Dies ist erforderlich für die folgende Wicklung. Eventuell werden zum Schluss noch Klebstoffreste aus den Federn und vom Schaft entfernt, um die Spuren der modernen Welt zu verwischen.
Abschluss Schritt III mit Leitfeder und Prunkbemalung: Quelle Karlssippe Foto Thorfinn
d) Schritt IV
Nach dem Bekleben der Schäfte mit den Federn, kann zur besseren Stabilität und auch aus optischen Gründen noch eine Wicklung mit Leinengarn erfolgen.
Diese Wicklung ist in zwei unterschiedlichen Arten möglich:
1.)
Bei der ersten Methode werden nur die Federenden mit einem Stück Leinengarn umwickelt. Dazu schneidet man ein Stück Leinengarn von der Rolle zurecht, das ruhig etwas länger sein darf, wie man es eigentlich braucht. Danach wird das Stück durch einen Knoten am Schaft fixiert. Hier reicht ein einfacher Kreuzknoten. Das kleine Ende wird an den Schaft in Wickelrichtung gedrückt und das lange Stück um den Schaft gewickelt. Die Wicklung wird nach oben bzw. unten solange weitergeführt, bis das Garn über den Federkiel bis an die eigentliche Feder anstößt. Hier wird ein weiterer Knoten gemacht und das überstehende Ende so kurz abgeschnitten, dass man es noch einmal um den Schaft herumlegen kann. Danach werden die beiden Wicklungen mit Klebstoff bestrichen. Auch die Stellen, wo dann das Endstück liegen soll muss mit Kleber bestrichen werden. Das ganze muss wiederum einige Minuten antrocknen, bevor dann die Endstücke angedrückt und angeklebt werden können. Die einfache Variante der Wicklung, die allerdings nicht so effektiv ist wie die ausführlichere, ist abgeschlossen.
Tipp: Der Anfänger sollte die ersten Pfeile mit der einfachen Variante herstellen und nach dem dritten bis vierten Pfeil mit einer richtigen Wicklung anfangen, da diese maßgeblich bei der Überlebensdauer eines Pfeils mitwirkt. |
2.)
Bei der zweiten Methode werden sowohl die Enden der Federn umwickelt, als auch die Strecke zwischen den Enden. Diese Wicklung bringt den Federn zusätzliche Stabilität und ist auch optisch gesehen vorteilhaft. Außerdem wurde diese Methode früher dazu verwendet, um die Federn im Birkenteer/Birkenpech besser halten zu können. Mit modernem Klebstoff ist sie eigentlich überflüssig.
Als erstes muss man ein Stück Leinengarn abschneiden, dass die Länge der beiden ausgestreckten Arme ( Spannweite ) aufweist. So entsteht die richtige Länge um zu verhindern, dass das Garnstück zu kurz gerät. Nachdem man das Garn passend abgeschnitten hat, wird das Garnstück kurz vor dem unteren Ende der Feder, durch einen einfachen Kreuzknoten am Schaft befestigt. Das kurze Stück des Garns, wird entland des Schaftes gelegt und mit dem langen Teil beginnt man die Wicklung. Nachdem man über den freigeschnittenen Teil der Feder gewickelt hat ( Kiel ) wird ein zweiter einfacher Kreuzknoten gebunden und der Überstand aus dem ersten Knoten abgeschnitten. Der zweite Knoten dient dem Fixieren, bevor man mit der eigentlichen Federwicklung beginnt. Dazu wird nun das Leinengarn vorsichtig in die Federn hineingezogen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Wicklung eng und langsam nach oben ansteigend angebracht wird. Von Feder zu Feder muss man den straffen Sitz der Wicklung überprüfen, weil sie ohne Straffheit den Sinn verlieren würde. Diese Wickeltechnik wird bis zum Ende der Federn durchgeführt. Am oberen Ende der Federn wird die Wicklung am Federkiel ganz eng fortgesetzt. Am Ende der engen Wicklung wird dann erneut ein einfacher Kreuzknoten angesetzt, um die Wicklung am Ende zu fixieren, damit sie beim folgenden Kleben nicht mehr aufgehen kann. Nach dem Wickeln wird die obere und untere Wicklung vor den Federn mit Klebstoff eingerieben. Das übrig geblieben Garn wird so gekürzt, dass man den Rest noch einmal um den Schaft legen kann. Die Stelle, wo das Endstück des Garns später liegen soll, wird ebenfalls mit Kleber bestrichen. Der Klebstoff muss nun 2 – 3 Minuten trocknen, bevor man das Endstück dann andrücken und verkleben kann. Ist das Endstück fest, kann man mit einem Klebertropfen auf dessen Anfang, ein Wiederaufgehen der Wicklung vermeiden. Hat man das Garn befestigt, ist die Wicklung der Federn abgeschlossen.
Tipp: Das Leinengarn kann natürlich auch durch synthetische Garne ersetzt werden. Bei Verwendung von Leinengarn ist allerdings darauf zu achten, dass das Garn nicht zu dick ist. Ist es zu grob, kann es beim Schießen mit den Pfeilen, zu starkem Abrieb auf dem Handrücken kommen, wo dann ein Handschutz von Nöten ist, um Verletzungen vorzubeugen. |
Abschluss Schritt IV mit Wicklung der Federn
Quelle Karlssippe Fotos Thorfinn
e) Schritt V:
Als letzter Schritt beim Herstellen eines Pfeils muss die Spitze angebracht werden. Die Arten der Spitzen und somit deren Gewicht sind stark unterschiedlich und nur für den Profi interessant. Der Anfänger sollte am besten das leichteste Modell auswählen, da diese Spitzen die Flugeigenschaften des Pfeils kaum oder gar nicht beeinträchtigen.
Hat man Spitzen ausgewählt werden diese als erstes auf den Schaft angepasst. Entstehen auf dem Schaft nun erneut Einkerbungen durch die Eisenspitze muss erneut nachgeschliffen werden. Wenn die Spitze passt, wird Sekundenkleber oder Zweikomponentenkleber in die Spitze eingespritzt. Die Spitze wird dann auf das Holz gedrückt und mit einigen harten Schlägen auf eine harte Unterlage ( Hartholz ), auf dem Schaft fixiert.
Hat man eine Spitze mit Gewinde, spritzt man dennoch etwas Klebstoff hinein, spannt die Spitze in einen Schraubstock ein und dreht dann den Schaft in das Gewinde der Spitze.
Überstehende Holzsplitter und getrocknete Klebstoffreste, die beim Aufdrehen oder Einschlagen entstanden sind werden mit einem scharfen Messer einfach weggeschnitten.

Abschluss Schritt V Pfeil komplett mit Federn, Wicklung und spitze
Nach dem Aufsetzten der Spitze muss der Schaft noch versiegelt werden, da die dünnen Holzstäbe anfällig für Feuchtigkeitseinflüsse sind und durch die Versiegelung die Haltbarkeit enorm gesteigert werden kann. Die Versiegelung der Schäfte geschieht entweder mit Leinöl oder Holzöl, die dafür sorgen, dass Feuchtigkeit abgehalten werden.
Lässt man die Versiegelung weg kann es sein, dass die vorderen Stellen der Pfeile, die in den Boden eindringen und dort Feuchtigkeit aufnehmen, einfach brechen.
Wenn man nach dem Bogenschießen bei feuchtem Wetter und Untergrund die Pfeile nicht immer trocken reiben will, dann sollte man die Versiegelung anbringen.
Natürlich ist es auch möglich die Schäfte vor der Verarbeitung zu versiegeln. Allerdings kann man die Stellen wo die Federn und die Spitzen sitzen auch mit schwarzer Lackfarbe bestreichen, was dann als Birkenpechersatz dient. Diese Stellen sind dann automatisch durch die Lackfarbe versiegelt.
Das Leinöl wird mit einem alten Lappen oder einem Pinsel gleichmäßig aufgetragen und hat auch schon im Mittelalter solche Zwecke erfüllt.
Das Holzöl ist chemisch hergestellt und kann nur mit dem Pinsel aufgetragen werden. Hierbei ist vor allem auf Gleichmäßigkeit zu achten, da größere nichtverteilte Ölstellen dunkle Stellen auf dem Holz ergeben.

Pfeile nach dem Versiegeln mit Leinöl auch schon im gefertigten Köcher aus Leder: Quelle Karlssippe Foto Thorfinn
Tipp: Will man mittelalterliche Pfeile herstellen, und diese versiegeln, sollte man in jedem Fall Leinöl benutzten, da es ein reines Naturprodukt ist und die Wirkung genauso eintritt wie bei dem chemischen Holzöl. |
Hat man die Versiegelung abgeschlossen, ist die Herstellung des Pfeils beendet und der Pfeil bei jedem Wetter einsetzbar.
Dennoch sollte man bei nassem Untergrund ein Schießen vermeiden, da die Federn durch das Wasser stark beeinträchtigt werden und teilweise ihre Form verändern.
Bogenschießzubehör:
Hat man die Pfeile für den Bogen hergestellt, sollte man sich klar darüber werden, dass man zum Bogenschießen noch etwas mehr Zubehör benötigt, was man sich aber einfach selber bauen kann.
Fingerschutz:
Das erste was man merkt, wenn man mehr als zehn Mal mit dem Bogen geschossen hat, sind die Fingerkuppen, die zu brennen beginnen. Um diesen unnötigen Schmerzen vorzubeugen, kauft man entweder einen Fingerschutz im Laden oder man baut sich selber einen.

Angaben variieren bei verschiedenen Finger- und Handgrößen
Dazu nimmt man sich ein Stück Leder, das nicht zu dick sein sollte und schneidet es so breit wie die drei mittleren Finger tatsächlich sind. Danach wir das Stück Leder durch ein Loch in der Mitte des Hinterteils am Mittelfinger fixiert, nachdem man das Loch in das Leder hineingeschnitten hat. Ist das geschehen schneidet man zwischen Zeige- und Mittelfinger eine Kerbe in das Leder, die etwa 3cm tief und so breit wie der Nock am Pfeil sein muss, da dies die Führung für den Pfeil beim Schießen ist.
Hat man die Kerbe angebracht, wird das Lederstück vorne abgerundet und der Fingerlänge angepasst. Die Seitenteile schneidet man so, dass sie beim Anziehen der Bogensehne nicht zwischen den Fingern stören. Am Ende wir kurz nach dem zweiten Fingerglied des Mittelfingers rechts und links neben dem Finger ein Loch mit der Lederstanzzange eingestanzt. Durch die Löcher wird ein Lederband gezogen und an der Unterseite des Schutzes verknotet. Dieses Lederband sorgt zusätzlich für die nötige Stabilität am Mittelfinger.

Rohling für einen Fingerschutz ohne Fingerfixierung: Quelle Karlssippe

Eigenentwurf für einen Handrückenschutz gegen Wicklungsreibung
Armschutz:
Hat man den Fingerschutz erstellt, wird man den nächsten Schwachpunkt beim Schießen merken, vor allem wenn man in kurzen Sachen schießen will. Es kommt nämlich des öfteren vor, dass die Bogensehne, während der Schussabgabe, über den Unterarm des Armes schrammt, der den Bogen hält. Auch als fortgeschrittener Schütze passiert dieses von Zeit zu Zeit.
Um nun den schmerzhaften Abscheuerungen durch die Bogensehne vorzubeugen, zieht man entweder einen dicken Pullover an oder man macht sich einen Armschutz. Es ist zu empfehlen einen Armschutz zu erstellen, da dieser immer verwendet werden kann und nicht viel Arbeit macht.
Man beginnt also mit dem Ausschneiden der Armschutzform aus dem Leder. Nach dem Ausschneiden werden die harten Kanten mit der Schere etwas abgerundet. Danach werden gleichmäßig Löcher für die Schnürung an der Unterseite angebracht. Es ist darauf zu achten, dass die Löcher parallel auf beiden Seiten verlaufen, da es sonst zu Verhakungen beim Schnüren kommen kann. Hat man die Löcher ausgestanzt, wir ein Lederband von außen nach innen in die ersten beiden Löcher eingefügt. Nach dem Anbringen des Lederbandes werden die beiden Bandenden auf gleiche Länge gezogen und dann sinngemäß in alle anderen Löcher eingefädelt ( ähnlich dem Schnürschuh ). Hat man die Schnürung angebracht wird der Armschutz probiert und die Schnürung so fest wie nötig angezogen. Die Lederkante, die jetzt am Handgelenk anliegt, kann anfangs etwas steif und hart sein, was sich aber im Laufe der Zeit gibt. Man kann sie auch nass machen und in die gewünschte Form biegen. Allerdings sollte man den Schutz dazu anhaben sonst wird er nicht so wie man es will.
Schablone für den Armschutz für den Bogenarm: Quelle Karlssippe
Anlage A:
Federschablonen:
1)

2)

3)

4)

Definition: „Pompfen“ sind Bogenpfeile, die ausschließlich in Schlachten und zum
Schaukampf eingesetzt werden. Sie sind an der Spitze gepolstert, um
das Verletzungsrisiko zu minimieren.
Der Grundstock des Pfeils bleibt auch bei den „Pompfen“ gleich. Man benötigt drei zurechtgeschnittene Federn, einen Pfeilschaft und Wickelgarn.
Der Bau des Pfeils unterscheidet sich bis zum anbringen der Spitze nicht von dem der vorher genannten Machart.
Hat man einen Pfeil bis auf die Spitze hergestellt kommt der schwierigste Teil des Baus, die Polsterung muss an den Schaft angebracht werden.
Dazu kann man mehrer verschiedene Methoden anwenden, die sicher alle den gewünschten Erfolg versprechen. Hier soll aber nur eine mögliche Variante beschrieben werden:
Baubeschreibung:
Um „Pompfen“ herstellen zu können, muss die Spitze so entschärft werden, damit sie keinerlei Gefahr mehr für Leib und Leben der Schlachtteilnehmer mehr darstellen.
Dazu sammelt man am Besten Sektkorken oder dicke Weinkorken ( Proseccoflaschen ) und versieht jeden Korken mit einer Bohrung, die etwas größer im Durchmesser sein muss wie der Pfeilschaft. Die Bohrung sollte mit einer Tischbohrmaschine vorgenommen werden, da nur so eine erwünschte lotrechte Bohrung entsteht und eine gewisse Gleichmäßigkeit erreicht werden kann.
Pfeilrohling mit stumpfer Spitze
Hat man die Korken vorgebohrt wird Klebstoff in die Bohrung einfließen gelassen und der Pfeilschaft im Anschluss daran in die Bohrung gedrückt. Der herausquellende Klebstoff kann entweder mit einem Lappen entfernt werden oder kann mit den Fingern so verrieben werden, dass er am Bohrungsende zusätzlich stabilisiert.
Nachdem der Klebstoff trocken ist und der Korken starr auf dem Schaft aufsitzt, muss die Seitenpolsterung der Spitze angebracht werden. Das beste Material ist Schaumstoff von einer alten Matratze oder Teile einer alten Isomatte. Diese meist groben Materialien müssen nun in feine gleichmäßige Streifen geschnitten werden. Es empfiehlt sich hier entweder ein Teppichmesser oder ein Skalpell zu verwenden.
Die Streifen können ruhig etwas länger sein, dürfen allerdings nicht breiter sein als der aufgesetzte Korken.
Schaumstoffstreifen aus einer alten Matratze ausgeschnitten
Der Streifen Schaumstoff muss nun um den Korken gewickelt werden und dann so abgeschnitten werden, dass der komplette Korken gleichmäßig umschlossen ist. Danach wird der Schaumstoffstreifen am Besten mit starkem Klebeband ( Panzertape ) fixiert, sodass er selbstständig um den Korken gewickelt hält. Den gleichen Schritt wiederholt man noch einmal unterhalb des Korkens, wo man allerdings ein weitaus schmäleres Stück Schaumstoff benötigt.
Man schneidet nun zwei viereckige Stücke auch dem Reststreifen Schaumstoff heraus, die in etwa auf die Spitze des Korkens passen. Die Stücke sollten die Wicklung und den Korken überdecken.
Stoffstück aus Wolle oder Leinen
Danach reißt man Klebebandstücke in lange fingerdicke Streifen ( etwa 8 – 10 Stk. )
Es wird zuerst das eine Viereck angeklebt, in dem man einen Klebebandstreifen mittig aufsetzt und straff nach unten zieht. Hier wird der Streifen angedrückt, bis er fest hält. Danach wird ein weiterer Streifen über Kreuz auf den ersten geklebt und festgezogen. Das zweite Viereck wird nun auf die selbe Weise fixiert.
Sitzen beide Vierecke fest auf, werden die noch abstehenden Ecken mit weiteren Streifen Klebeband abgeklebt. Je nach Wunsch können nun weitere Klebebandstreifen um die Wicklung angebracht werden. Es empfiehlt sich vor allem unterhalb des Korkens, über den Korken und am Übergang zwischen Schaumstoffwicklung und Holz eine Wicklung anzubringen. Der Pfeil ist nun einsatzbereit und eigentlich fertig. Da es aber viele Darsteller gibt, die auf authentisches Auftreten Wert legen, kann das Klebeband und der Schaumstoff noch verkleidet werden. Dazu nimmt man am Besten eine alte Decke, die man dann in schmale Streifen schneidet. Die Streifen werden mittig auf die Wicklung aufgesetzt und an der Korkenseite mit einem Lederriemen verschnürt.
Hat man den oberen Teil verschnürt, werden die beiden langen Seitenteile um den Schaft gewickelt und dann ganz unten mit einem zweiten Lederriemen verschnürt.
Die obere Schnürung muss danach wieder gelöst werden und dann sauber nachgeschnürt werden, sodass der Stoffstreifen richtig fest und eng anliegt. Die Verschnürung des Stoffes hat erheblichen Einfluss auf die Flugeigenschaften also Vorsicht!!!!!
Tipp: Da die Spitze mit der Polsterung und den Stoffanteilen relativ schwer wird,
empfiehlt es sich bei der Auswahl des Pfeilschaftes eine stärkere Variante zu
nehmen als man es für normale Übungspfeile nutzen würde.
Die Flugeigenschaften der „Pompfen“ sind stark eingeschränkt und reichen
Nicht weiter als 30m.
Projekte für Fortgeschrittene im Pfeilbau:
